Openly meets SIMÓN VÉLEZ - Bamboo Superstar
Bogotá, Kolumbien — August 2026
Es war eine besondere Begegnung mit Simón Vélez, dem Pionier der zeitgenössischen Bambusarchitektur, in seinem Zuhause in Bogotá.
Seine Arbeit mit Guadua-Bambus ist aussergewöhnlich. Nicht, weil Bambus gerade als nachhaltig, biobasiert oder zukunftsweisend gilt. Sondern weil Vélez dieses Material über Jahrzehnte so tief verstanden hat, dass daraus eine unverwechselbare Architektur entstanden ist. Vergleichbar mit Zaha Hadid. Seine Gebäude erkennt man sofort.
Bedeutendste Bauten:
ZERI-Pavillon (EXPO Hannover)
Jenny Garzón Bridge, Bogotá, Kolumbien
Bambus-Pavillon (EXPO Shanghai)
Nomadic Museum Mexiko-Stadt
Crosswaters Ecolodge, Guangdong, China
Contemplation Bamboo Pavilion, Arles, Frankreich
ZERI Pavillon EXPO Hannover
Das Material zuerst
Einige Aussagen aus unserem Gespräch sind mir geblieben:
Beginne mit dem Dach. Alles andere folgt daraus.
Ich bin ein Hippie.
Ich arbeite lieber mit Handwerkern als mit Ingenieuren.
Hinter diesen Aussagen steckt eine konsequente Haltung: Das Material als Ausgangspunkt. Erfahrung vor Abstraktion. Architektur als persönliche Ausdrucksform.
Seine Gebäude hätten kaum zuerst entworfen und danach mit einem Material versehen werden können. Guadua erzeugt die Architektur.
Biobasiert ist nicht automatisch besser
Velez kritisiert: Wir werfen biobasierte Materialien, nachhaltige Architektur und regeneratives Bauen oft in denselben Topf. Das ist falsch. Ein Gebäude kann aus einem aussergewöhnlichen nachwachsenden Material bestehen, ohne dass es mit einem regenerativen Ziel entwickelt wurde. Es kann hervorragende ökologische Eigenschaften haben, während der eigentliche Antrieb Architektur, Handwerk oder Experimentierfreude ist.
Eine ähnliche Erkenntnis hatte ich bereits 2022 bei mehreren Treffen mit Dietmar Eberle (2226-Konzept): Sehr gute ökologische Resultate können aus einer konsequenten architektonischen Haltung entstehen, ohne dass der ökologische Impact zwingend der ursprüngliche Ausgangspunkt war.
OPENLY beginnt woanders
Bei OPENLY wollen wir kein charakteristisches Material etablieren (zb Hanf). Wir wollen keinen wiedererkennbaren Architekturstil schaffen. Und Nachhaltigkeit ist für uns keine zusätzliche Schicht auf einem konventionellen Gebäude. Wir beginnen beim gewünschten Resultat:
Netto Null Gebäude als CO₂-Senken.
Daraus folgt das System. Materialien, Konstruktion, Energie, Kreislauffähigkeit, Architektur und Wirtschaftlichkeit müssen gemeinsam auf dieses Ziel einzahlen. Die Frage lautet deshalb nicht:
Können wir mit Holz, Stroh, Lehm oder einem anderen biobasierten Material anders bauen und uns positionieren?
Sondern:
Wie machen wir regeneratives Bauen wirtschaftlich, wiederholbar und skalierbar?
Ein Meister wie Vélez kann Veränderung inspirieren. Ein System kann sie skalieren.
Der Wert unterschiedlicher Perspektiven
Ich reiste nach Bogotá auf der Suche nach Antworten. Zurückgekommen bin ich mit einer präziseren Frage. Genau das passiert, wenn man Menschen begegnet, die eine wirklich eigenständige Haltung haben. Sie bestätigen nicht zwingend den eigenen Weg. Sie machen sichtbar, auf welchen Annahmen er basiert. Simón Vélez hat genau das getan.
Seine Architektur hat meinen Respekt für Materialverständnis, Handwerk und kompromissloses Denken nochmals verstärkt.
Gleichzeitig hat unser Gespräch die Mission von OPENLY für mich noch klarer gemacht:
Wir bauen nicht um ein Material herum.
Wir bauen um ein Resultat herum.
Regenerative Gebäude. CO₂-Senken. Im grossen Massstab.
850 Leute: Eröffnungs Keynote von Andy Keel am Kongress Construverde auf Einladung des Green Building Council Latin America